Trotz Aller Therapie (2007/2008)

Die erste Produktion von “theaterTATort” war die Komödie “Trotz aller Therapie”. Im Oktober 2007 fanden die ersten drei Aufführungen im Jib in Münster statt. Nach diesen erfolgreichen und ausverkauften Aufführungen wurde “Trotz aller Therapie” im Januar 2008 noch einmal in der Schuhfabrik in Ahlen präsentiert. Auch dort konnte das Ensemble “theaterTATort” vor ausverkauftem Haus ca. 130 Zuschauer begeistern. Weitere Informationen erhalten Sie über die linke Navigationsleiste.

Pressemeinungen zur Inszenierung:
“Das Ensemble `theaterTATort´ traf […] mit Christopher Durangs Satire `Trotz aller Therapie´ mitten ins Schwarze.” (Münstersche Zeitung, 29.10.2007)

“Die Inszenierung von Christoph Münstermann ist sehr empfehlenswert.” (Münstersche Zeitung, 29.10.2007)

“erfrischend präsente Prudence (Melanie Dresbach)” (Westfälische Nachrichten, 29.10.2007)

“vergnüglich-verrückter Abend” (Westfälische Nachrichten, 29.10.2007)

“ein rasanter Psycho-Spaß der Sonderklasse” (Die Glocke, 07.01.2008)

“ein gut aufgelegtes, spielfreudiges Ensemble, das mitzureißen verstand” (Die Glocke, 07.01.2008)

“Es war eine tolle ´Tatort´-Truppe aus Münster, die am Samstagabend im ausverkauften Saal des Bürgerzentrums mit dem Stück `Trotz aller Therapie´ gastierte.” (Ahlener Zeitung, 08.01.2008)

“Den fünf Hauptakteuren […] bot der Stoff wirklich alle Möglichkeiten, sich zu entfalten.” (Ahlener Zeitung, 08.01.2008)

“es [ist] den grandios spielenden Darstellern zu verdanken, dass der Zuschauer schließlich begeistert wurde” (Blinklicht, 1/2008)

“Das Stück lebte von der hervorragenden Leistung der Schauspieler.” (Blinklicht, 1/2008)

Regie: Christoph Münstermann

Bruce: Gregor Grüning
Prudence: Melanie Dresbach
Stuart: Holger Klocke
Charlotte: Ramona Geßler
Bob: Daniel Berghoff
Andrew: Christoph Münstermann

Stück

Die Suche nach einer festen Bindung, einer Partnerschaft, gestaltet sich für viele als sehr schwierig und so nutzen nicht wenige, gestresste Singles die gute alte Kontaktanzeige, um die Sehnsucht nach einem geeignetem Partner zu stillen. Zwei von Ihnen sind Bruce und Prudence und während des ersten Treffens der beiden Protagonisten fällt auf, dass ihre Unterhaltung alles andere als gewöhnlich ist. Bruce versucht sich neu zu orientieren: er lebt zwar in einer homosexuellen Beziehung mit Bob, sucht aber per Kontaktanzeige nach einer Frau, mit der er eine Familie gründen kann. Prudence sucht, ebenfalls über die Zeitung, einen soliden “Mann fürs Leben”. Das Treffen endet in einem Desaster und die beiden suchen am nächsten Tag das Gespräch mit ihren Psychotherapeuten.

Prudence hat gerade ein sexuelles Abenteuer mit ihrem narzisstischen Therapeuten Dr. Stuart Framingham überwunden, muss seinen schlüpfrigen Angeboten ständig ausweichen und steht seiner scheinbar eigennützigen Therapie ziemlich skeptisch gegenüber.
Bruce hingegen glaubt an die therapeutischen Maßnahmen seiner überdrehten und von Aphasien geplagten Psychologin Charlotte: sie gibt im Namen von Bruce eine weitere Annonce auf. Und wie es das Schicksal in so einem Theaterstück will, treffen die beiden Ahnungslosen durch diese Anzeige noch einmal aufeinander.

Viele Fragen stellen sich: Will sich Prudence auf so eine Konstellation einlassen? Bruce heiraten, Kinder kriegen, ein geregeltes Leben führen und Bob als homosexuellen Liebhaber akzeptieren? Und wie wird Bob damit umgehen, der bisher zwar eine komplizierte aber nach seiner Sicht glückliche Beziehung mit Bruce führt?

Das Stück

…ist durchaus Boulevard-Theater und bedient sich vieler Klischees. Es ist humoristisch, amerikanisch, absurd und dabei extrem. Denn es versäumt nicht, eine Gesellschaft zu karikieren, in der es zum “Way of Life” gehört, zum Therapeuten zu gehen. Damit verspricht es mehr zu sein als hervorragende Unterhaltung.

Die vielfältigen Erfahrungen auf dem Gebiet des darstellenden Spiels der Ensemble-Mitglieder werden dem Charme dieses amerikanischen Stücks voll zu Gute kommen. So entsteht die zeitgemäße Interpretation eines klassischen Themas: Zwischen Schick und Oberflächlichkeit der, für die Psychotherapie reifen Generation und der im sozialpädagogisch deformierten Milieu angesiedelten Frage nach dem “Was möchtest du denn wirklich?” fokussiert “theaterTATort” auf den Konflikt von Langeweile und der (Neu-)”Entdeckung der Langsamkeit”.

Trotz aller Therapie - Komödie in zwei Akten
Englischer Originaltitel: Beyond therapy
Autor: Christopher Durang
Deutsche Übersetzung: Peter Jacobi
Aufführungsrechte: Deutscher Theaterverlag Weinheim

Uraufführung: Januar 1981 am Marymount Manhattan Theatre, New York
Premiere am Broadway: Mai 1982 am Brooks Atkinson Theatre
Deutsche Uraufführung: November 1992 an der Studiobühne Villach

Das Stück wurde 1987 in Form einer Satire unter dem Titel “Beyond Therapy” (“Therapie zwecklos”) von Robert Altmann u.a. mit Jeff Goldblum verfilmt.

Der Autor Christoper Durang zum Stück:
“When I wrote this play all my friends were turning thirty. Most of them were seeing psychiatrists. They all talked about relationships (me too. me too). And they all worried about not being married yet; so the play is about ‘relationships’ and also how psychology and psychobabble hinder and help us.”

Meinungen der Presse zum Stück:
“trifft genau in die Kerbe der immer noch in den Menschen verwurzelten Klischees und bietet einen überraschenden und unerwarteten Verlauf” (Lemgoer Zeitung – Westfalen Blatt)

“Nur zu deutlich karikiert Durang hier den derzeitig vorherrschenden Drang zu psychiatrischen Behandlungen, sei es nun in Selbsthilfegruppen oder Einzelsitzungen.” (Die Glocke)

“äußerst unterhaltsamen und kurzweiliger Stoff” (Lippe aktuell)

Autor

Christopher Durang, Autor von “Trotz aller Therapie” (Quelle: Homepage von Christopher Durang, Foto: John Schisler)

Christopher Durang wurde am 02.01.1949 in Montclair, im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Er lebt mit seinem Partner John Augustine in Bucks County, Pennsylvania. Er ist Autor, Schauspieler, Sänger, Regisseur und Dramatiker. Nach dem Besuch einer katholischen Schule studierte er Englisch in Harvard und war an der School of Drama in Yale eingeschrieben. Dort erhielt er seinen Mastertitel als Bühnenautor.

Der Durchbruch als Autor gelang ihm mit “A History of The American Film”, ein Musical, das 1978 am Broadway aufgeführt wurde und eine Nominierung für den Tony-Award erhielt. Seine größten Erfolge hatte er in den 1980er Jahren. Normalerweise schreibt er Komödien – entweder Satiren oder schwarze Komödien. Auch Parodien oder einfach Absurdes gehört zu seinem Schaffen. Durangs Werke sind vor allem bei Theaterstudenten und Anhängern des alternativen politischen Theaters beliebt.

In seinen Theaterstücken thematisiert er besonders gesellschaftskritische Aspekte, wie Kindesmissbrauch, die Dogmen und Lehren der katholischen Kirche, sowie Homosexualität, ein zentrales Thema auch in “Trotz aller Therapie”.

Neben Theaterstücken hat Durang auch Drehbücher für das Kino und Fernsehen verfasst. 1994 wurde er als einer der Leiter des Bühnenautoren-Programms an die weltweit angesehene Juilliard School in Manhattan berufen. Nach der Verfilmung von “Trotz aller Therapie” 1987, wurde 2001 wieder eines seiner Theaterstücke verfilmt. “Sister Mary Ignatius Explains It All For You”, für das er bereits 1980 einen Obie-Award erhalten hatte kam mit Diane Keaton in der Titelrolle auf die Leinwand. Für sein letztes Stück “Miss Witherspoon” (2005) wurde er 2006 für den Pulitzer Preis nominiert.

Auszeichnungen und Nominierungen:
drei Obie-Awards, Literaturpreis der American Academy of Arts and Letters, Bistro-Award, Lila Wallace Readers Digest Writers Award, Sidney Kingsley Playwriting Award, Nominierung für den Tony-Award for Best Book of a Musical, Nominierung für den Drama-Desk-Award als bester Musical Darsteller, Nominierung für den Pulitzer Preis

Einige Werke:
1975: “The Nature And Purpose Of The Universe”
1976: “Titanic”
1978: “A History of The American Film”
1979: “Sister Mary Ignatius Explains It All For You” (“Schwester Maria Ignatius kann alles erklären”)
1981: “Beyond Therapy” (“Trotz aller Therapie”)
1983: “Baby with the bathwater”
1985: “The Marriage Of Bette And Boo”
1987: “Laughing Wild” (“Gebrüllt vor Lachen”)
1994: “For Whom The Southern Belle Tolls”
1999: “Betty’s Summer Vacation”
2005: “Miss Witherspoon”

als Schauspieler u.a. in:
“Das Lusitania Songspiel”
“Das Geheimnis meines Erfolges” (neben Michael J. Fox)
“Housesitters” (neben Steve Martin und Goldie Hawn)
“The Butcher’s Wife” (neben Demi Moore)

“Christopher Durang besiegt die Bitternis und findet einen Weg, einen Wutanfall in eine Komödie zu verwandeln – der gleichzeitig erlösend ist und witzig.” (New York Times)

“Einer der lustigsten Dramatiker dieser Zeit, und einer der scharfzüngigsten Satiriker.” (New Yorker)

Homepage: www.christopherdurang.com

Mitwirkende

Mit dabei waren Ramona Geßler als Charlotte Wallace, deren “Zeppelin” (“nein, ich meine Senegal, nein, Sekretärin…”) genauso fiktiv blieb wie jeder Ansatz eines gelingenden Gesprächs zwischen erwachsenen Menschen. Sie wusste, was sie spielt – sie ist Sozialpädagogin. Die Rolle der durchgeknallten Therapeutin gefiel ihr, und deshalb spielte sie mit Spaß, immer leicht “über dem Strich”.

Daniel Berghoff, hat zweifelsohne viele Erfahrungen, was das Theaterspielen angeht. Er war Bob und bewältigte den Spagat zwischen dem “üblen Makel, schwul zu sein” und einer authentischen Selbstwerdung mit Leichtigkeit. Ob früher in den Studio- oder Freilichtbühnenproduktionen in Hamm-Heessen oder im TAT-Ensemble, er versucht alles zu geben.

Mit Melanie Dresbach hat “theaterTATort” einen besonderen Fang gemacht. Sie ist selbstbewusst und fordert ein strammes Korsett für eine schlüssige Inszenierung. Damit lässt sie sich allerdings in kein Klischee pressen, denn die Rolle der Prudence ist ihr zwar wie auf den Leib geschneidert, trotzdem sprengte sie die Fesseln der Regie mit jedem Atemzug, Wort oder Gestus auf der Bühne.

Gregor Grüning, tja, was soll man sagen? Der “Arbeiter” der Truppe wunderte sich über sich selbst, wühlte tief bis hin zu den Wurzeln seiner Rolle, durchlebte die Therapie der Rollenfindung – und ließ nichts unversucht. Am Ende war sein Bruce sympathisch zwanghaft, enthemmt unentschlossen, heiter unbekümmert und resümiert, im Nebel der Gefühle und seiner sexuellen Orientierung schwebend: “Was für ein existentielles Restaurant!”, in dem er per Kontaktanzeige Prudence trifft.

Holger Klocke trieb es in TAT auf die Spitze. Sein Stuart Framingham war “machismo” pur – und zugleich war der Charakter selbst erstaunlich erschrocken darüber. Warum nur ist seine Klientin Prudence so unnahbar, wo er doch so ehrlich ist? So gelang der Brückenschlag zwischen der enormen Bühnenpräsenz eines vordergründigen Pseudotherapeuten und der angemessenen Zurückhaltung einer Randerscheinung.

Regisseur Christoph Münstermann spielte mit einer Besetzung, die sich schlagkräftig und reif den Herausforderungen einer Komödie stellte. Eine Komödie, die in ihren leiseren Tönen auch Tschechows Möwe, Dostojewskis Brüder Karamasow und Shaffers Equus anklingen ließ. Unermüdlich ging er mit seinen Schauspielern zwei Schritte vor und einen zurück. War der ins Negative pervertierte Motor dieses Stückes wirklich die Langeweile und damit die Überdrüssigkeit jedweder Art von Entscheidungskompetenz – oder war menschliches Dasein “in echt” zu komplex, trotz aller Therapie? Christoph Münstermann will mehr, und mit diesem Team gelang die Antwort auf eine Menge ungestellter Fragen. Und zwar in rasantem Tempo. Um den Knoten zu lösen, “millowitschte” er sogar selbst auf der Bühne und spielte Andrew, den Kellner, der oft gerufen wird, aber erst am Ende – und dann auch nur kurz – auftaucht.