Kunst 2008

Die Inszenierung des bekannten Stückes “KUNST” von Yasmina Reza war unter der Regie von Robert Hesse im Januar 2005 auf der Studiobühne der Waldbühne Heessen zu sehen. Im April 2008 fand eine Wiederaufnahme des Schauspiels in Münster statt. Die Vorstellungen fanden nicht in einem typischen Theater, sondern an zwei Aufführungsorten statt, die bestens für das Stück geeignet sind. Das gemütliche Ambiente im Café “neues Kolk” kontrastierte dabei mit den hitzigen Debatten und Streitgesprächen der drei Freunde Serge, Marc und Yvan über ein weißes Bild. Das Atelier im Jib führte den Zuschauer hingegen schon äußerlich an die Materie “Kunst” heran. Weitere Informationen erhalten Sie über die linke Navigationsleiste.

Pressemeinungen:
(Die Zeitungsartikel lassen sich per Klick vergrößern)

“Den drei Darstellern gelingt eine grandiose Leistung, die psychologische Seiten der Charaktere offenbart”

“Nicht Unterhaltung pur bringt Regisseur Robert Hesse auf die Bühne, sondern Theater mit Tiefgang und Humor. Dabei kann der Spielleiter auf drei hervorragend agierende Darsteller bauen”

“Mit den Protagonisten Serge, Marc und Yvan hat Hesse drei Charaktere geformt, die zugleich unterschiedliche Typen mit teils konträren Weltanschauungen symbolisieren. Sie werden von den drei Darstellern so locker und überzeugend vermittelt, dass sich die Aufführung durchaus mit professionellen Leistungen messen kann.”

“Was sich im Verlauf der rund 90-minütigen Aufführung […] entwickelt, ist an zwischenmenschlicher Dramatik kaum zu überbieten.”
(Quelle: Westfälischer Anzeiger, 11.01.2005)

Regie: Robert Hesse

Serge: Fritz-Ulrich Kewer
Marc: Daniel Berghoff
Yvan: Holger Klocke

Stück

Die langjährige Freundschaft zwischen Serge, Marc und Yvan wird auf eine harte Probe gestellt. Für 35.000 Euro hat sich Serge ein Gemälde des bekannten Malers Antrios gekauft. Das 80 x 100 cm große Kunstwerk scheint völlig weiß zu sein. Den Kauf kann Serges vermeintlich bester Freund Marc überhaupt nicht nachvollziehen und bezeichnet den Antrios als “weiße Scheiße”. Ein Streit zwischen den beiden Freunden ist vorprogrammiert. Marc versucht Yvan auf seine Seite zu bringen. Er möchte mit seiner Hilfe Serge von der Unsinnigkeit des Bildkaufs überzeugen. Er behauptet sogar, Serge habe den Humor verloren, weil man mit ihm nicht mehr lachen könne. Aber Yvan lässt sich von Serges Begeisterung für das Kunstwerk anstecken. Denn für Serge ist das Bild nicht einfach weiß. Es stecke viel mehr dahinter, selbst Farben seien zu erkennen. Doch laut Serge hat Marc für eine derartige zeitgenössische Art der Malerei keinen Zugang. Yvan berichtet Marc, dass er und Serge herzhaft gemeinsam gelacht haben, was Marc zunächst beruhigt. Doch als er erfährt, dass Yvan den Antrios auf eine gewisse Art und Weise mag und einen “Gedanken” hinter dem Kunstwerk zu erkennen glaubt, ist er enttäuscht und fühlt sich durch Yvan erniedrigt, weil dieser sich auf Serges Seite stellt.
Bei einem gemeinsamen Treffen der drei Freunde in Serges Wohnung eskaliert die Situation. Yvan wird immer mehr zum Spielball zwischen den Wortgefechten der beiden anderen. Das Bild rückt in den Hintergrund und macht Platz für andere Diskussionsthemen, bei denen die Freunde nicht mit Anschuldigungen und persönlichen Beleidigungen geizen und sogar handgreiflich werden, so dass die Frage aufkommt, ob ihre Freundschaft noch zu retten ist.

“KUNST” feierte am 28. Oktober 1994 an der Comédie des Champs-Elysées in Paris seine Uraufführung. Ein Jahr später fand an der Berliner Schaubühne unter der Regie von Felix Prader die deutsche Erstaufführung statt. Seitdem wurde das erfolgreiche Theaterstück in mehr als 40 Sprachen übersetzt und in zahlreichen Ländern inszeniert. An allen renommierten Theatern der Welt hatte es große Erfolge und zählt zu den weltweit meistgespielten Theaterstücken. In Frankreich erhielt es gleich zwei Auszeichnungen des bedeutenden Prix Molière (Bestes Theaterstück und Beste Autorin). Weitere Preise und Auszeichnungen folgten, so z.B. der britische Laurence Olivier Award oder der Tony Award 1998. Dies ist ein seit 1947 vergebener US-amerikanischer Theater- und Musicalpreis. In der Theaterwelt gilt er als Pendant zum Oscar. Nominiert werden können alle im Laufe des Jahres am Broadway gespielten Stücke. Sean Connery produzierte sowohl dort eine ausgezeichnete Inszenierung für das Royal Theater als auch schon vorher in London. Ursprünglich wollte seine Ehefrau die Kinorechte kaufen, doch Yasmina Reza lehnte ab, weil sie ihr Stück lieber an Theatern als im Kino sehen wollte.

Französischer Originaltitel: “ART”
Autor: Yasmina Reza
Deutsche Übersetzung: Eugen Helmlé
Aufführungsrechte: Theater Verlag Desch, München

Pressemeinungen:
“Komödie der Extraklasse” (Kölner Stadtanzeiger)

“Freunde sowohl der bildenden als auch der darstellenden Kunst kommen hier auf ihre Kosten, weil das vordergründige Thema “Kunst” ist” (Westfälischer Anzeiger)

“Was [..] an diesem Stück besonders reizt, ist die Mischung aus Botho Strauß und Woody Allen” (Frankfurter Allgemeine Zeitung-Magazin)

“Wirklich überzeugende Komödie mit Tempo und Geist” (Kölnische Rundschau)

“Überdeutlich gezeichnete Figuren, eine wirkungsvolle Dramaturgie, wunderbar pointierte Dialoge und dazu noch psychologische Tiefe.” (Kieler Nachrichten)

“ein Wortstreit um Nichts – oder eben um all das, was sich in Serges sündhaft teurem, jungfräulich weißem Stück Leinwand an Deutungen, Status, ästhetischem Unfug verbergen könnte” (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Autorin

Yasmina Reza, Autorin von “KUNST” (Quelle: Alliance Française, Foto: Carole Belaïche)

Yasmina Reza wurde 1959 in Paris geboren. Sie stammt väterlicherseits von spanischen Juden ab, die im 15. Jahrhundert vertrieben wurden und sich in der persischen Provinz Buchara, dem heutigen Usbekistan, niederließen. Ihr Vater, ein in Moskau geborener Iraner, kam über Berlin nach Paris. Ihre Mutter, eine ungarische Jüdin, Geigerin von Beruf, zog über Genf nach Paris. Die weitere Familie ist über die Welt verstreut. Diese Vielzahl von Einflüssen hat die Persönlichkeit der Autorin, ihren Blick und ihren Stil geprägt. Reza nahm Schauspielunterricht bei Jacques Lecoq und studierte Soziologie und Theaterwissenschaften in Nanterre. Seit den 1990er Jahren hat sie sich zu einer der meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerinnen entwickelt. Aber auch Prosa gehört zu ihrem schriftstellerischen Schaffen. Ihr aktuelles Werk “L’aube le soir ou la nuit porträtiert den neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Bei der französischen Erstaufführung ihres neuesten Theaterstücks “Der Gott des Gemetzels” führte sie im Januar 2008 selbst Regie (die deutschsprachige Uraufführung fand bereits 2006 am Schauspielhaus Zürich statt).
Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Pariser Künstler-Viertel Saint-Germain-des-Prés. Die Idee zu “KUNST” kam ihr, als einer ihrer Freunde ein weißes Bild für umgerechnet 35.000 Euro kaufte. Sie lachte nur darüber, weil sie den Kauf nicht nachvollziehen konnte.

Auswahl weiterer Werke von Yasmina Reza:

Theaterstücke:
Der Mann des Zufalls (“L’homme de hasard”)
Gespräche nach einer Beerdigung (“Conversations après un enterremant”)
Reise in den Winter (“La Traversée de l’hiver”)
Drei Mal Leben (“Trois versions de la vie”)
Ein spanisches Stück (“Une pièce espagnole”)
Der Gott des Gemetzels (“Le dieu du carnage”)

Romane:
Hammerklavier. Eine Sonate
Eine Verzweiflung (“Désolation”)
Im Schlitten Arthur Schopenhauers (“Dans la luge d’Arthur Schopenhauer”)

Drehbücher:
Das Picknick von Lulu Kreutz (“Pique-Nique de Lulu Kreutz”)
Bis zur Nacht (“Jusqu’à la nuit”)

Mitwirkende

Fritz-Ulrich Kewer gehört seit 1995 zum Ensemble der Westfälischen Freilichtspiele e.V. Waldbühne Heessen in Hamm. Dort verkörperte er viele Rollen, sowohl auf der Freilicht- wie auch auf der Studiobühne. Im Sommer 2008 war er z.B. “Im weißen Rössl” zu sehen. Im Rahmen der Wiederaufnahme von “KUNST” spielte er bei “theaterTATort”, wie bereits 2005 in Heessen, die Rolle des Serge. Serge ist Dermatologe und Kunstliebhaber. Er hat sich ein weißes Bild gekauft, was zum Ausgangspunkt vieler Diskussionen wird.

Den Kauf des 35.000 Euro teuren “Antrios” kann Marc überhaupt nicht nachvollziehen. Er ist der Gegenpart zu Serge und findet keinen Zugang zur modernen Malerei. Die anfänglichen Streitereien über die “weiße Scheiße”, wie das Bild von Marc bezeichnet wird, weichen bald tiefer gehenden Auseinandersetzungen der beiden langjährigen Freunde. Die Rolle des zum Teil cholerischen Ingenieurs Marc wurde von Daniel Berghoff verkörpert.

Zunächst als Vermittler, wird Yvan – dargestellt von Holger Klocke – im Laufe des Stückes immer mehr zum eigentlichen Leidtragenden. Ihm liegt viel an einer harmonisierenden Freundschaft, da er durch seine bevorstehende Hochzeit und seinen neuen Job in der Papierindustrie genug Probleme hat und sich daher am liebsten aus der Diskussion heraus halten würde. Wie auch Daniel Berghoff spielte Holger Klocke in “KUNST” zum zweiten Mal für “theaterTATort”.